Der dritte Tag, Samstag

Den Samstag begannen wir mit einer kleinen Erkundung unseres Nachbarviertels, Palermo Viejo, das in seinem Zentrum durch einen kleinen

Irish Pub in Palermo Viejo

Markt um den Plaza Serrano und eine hohe Dichte an kleinen Restaurants und Cafés auszeichnete. In der Nähe der Ecke Praguay/Jorge Luis Borges entdeckte ich einen kleinen, von Vietnamesen (so schätze ich) geführten vegetarischen Take-Away-Laden, aus dem ich mir vorsichtshalber gleich ein paar nicht immer eindeutig identifizierbare Köstlichkeiten mitnahm. Dann schlugen wir einen Bogen Richtung japanischer Garten.

Renée neben dem Japanischen Garten im Plaza Sicilia

Da diesen zu besichtigen Eintritt kostete und wir knapp in der Zeit waren, ließen wir davon ab und spazierten um den japanischen Garten und Zoo herum, am botanischen Garten vorbei zurück Richtung Unterkunft.

Dort erhielten wir von einem freundlichen Engel eine ausgiebige, kräftige Massage, die sich vor allem auf Tänzerrücken und -Füße konzentrierte. Heftig, aber herrlich! Zum Abendbrot gingen wir auf Empfehlung unserer Unterkunftsgenossen ins „Bar du Marché“, einen hellen, kleinen Restaurant mit einer guten Käseauswahl, umwerfendem Lachstartar, perfekt auf den Punkt gebratenem Fisch, hervorragend gewürzter Reispfanne und leckerer Crème brulée. Diese kulinarische Wucht mussten wir erstmal mit einem Verdauungsschläfchen kompensieren. Das passt allerdings sehr gut, denn die anvisierte Milonga „La Viruta de Solana“ im Armenischen Kulturzentrum fing sowieso erst um Mitternacht an.

Halb eins trafen wir auf der Milonga ein. Es war bereits sehr gut gefüllt und wir hatten Glück, noch einen der allerletzten Tische zu bekommen (zugewiesen, versteht sich). Beim Betreten des Raumes sah man zuerst die Bühne mit dem DJ-Pult, von dem uns der Tanguero zuwinkte, mit dem ich zwei Tage zuvor im Gricel getanzt hatte. Was für ein Zufall! Die Tanzfläche war riesig, der Saal noch viel größer und die Stimmung bereits am Toben. Dazu trug sicherlich auch bei, dass gleich kurz nach unserer Ankunft – und auch im weiteren Verlauf –  ein paar lebenslustige Nicht-Tango-Titel (abwechselnd Rock’n’Roll und Latin ‚Tandas‘) gespielt wurden.

La Viruta – Lächeln, sie werden gefilmt 😉

Die Tänzer auf der Tanzfläche waren auch hier eine Augenweide: Obwohl hier die Harmonie nicht so perfekt war wie im Gricel, sah man auch an diesem Ort sehr viele ziemlich gute bis hervorragende Tänzer. Das Publikum war jedoch deutlich jünger bzw. gemischter. Zwischen den Tischreihen schlenderten immer wieder Tangotänzer herum, die sich wie zufällig plötzlich fürs Tanzen interessierten, wenn man sie als Frau anschaute. Das Konzept fand ich ganz gut, da sowohl ausweichen als auch zustimmen sehr leicht fiel und man nie jemanden hatte, der einem die Sichtachse zu anderen potentiellen Tanzpartnern dauerhaft verbaute. So kamen Anke und ich nach einigen Tänzen mit dem eigenen Partner, in denen man sich der Masse erstmals präsentierte, ziemlich gut an weitere Tänze.

Etwas später kamen wir auch in den Genuss von Live Musik des „Orquesta Típica Misteriosa Buenos Aires“, das aus drei Violinen, drei Bandoneons, einem Kontrabass und einem Klavier bestand und hervorragend tanzbare Lieder zum Besten gab. Nur die Sängerin konnte uns nicht wirklich überzeugen. Gegen drei Uhr morgens gab es einen Schichtwechsel: Viele Tänzer gingen, nicht wenige Tänzer kamen erst dazu. Und die Party ging unverändert weiter. Tatsächlich hatte ich das Gefühl, dass die Stimmung kontinuierlich, von unserer Ankunft bis zu unserer Abfahrt super war. Allein dafür hat es sich gelohnt dort hinzugehen!

La Viruta morgens um 05:20

Um fünf rollte schließlich ein Wagen voller köstlich aussehender media lunas vorbei, diese Frühstückscroissantbrötchen, die hier so beliebt sind. Beharrlich winkten wir wiederholt Kellner heran, um diesen krönenden Abschluss der Nacht nicht zu verpassen. Erst um halb sechs kamen wir wieder zu Hause an. Müde. Aber glücklich.

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