Ankunft in Buenos Aires

8:20: Mit einer halben Stunde Verspätung kommen wir nach 14h Flug endlich in Buenos Aires an. Schnell noch die Einreisepasskontrolle überwinden, schon  steht man in der total überfüllten Ankunftshalle, wo gefühlt mindestens zwei Drittel der Anwesenden mit Schildern versuchen, ihre unbekannten Schützlinge auf sich aufmerksam zu machen. Wir schlagen uns durch den Menschenwald in Richtung Treffpunkt McCafé bis wir einen älteren Mann entdecken, der gedankenversunken auf seinem Handy herumwischt und um den Hals ein Schild trägt, welches in kindlicher Druckschrift unsere Namen trägt. Ein paar freundliche Brocken Spanisch wurden ausgetauscht, aber größer war die Schnittmenge unserer Sprachkünste nicht. Sich zu helfen wissend, entschuldigte sich Juan Carlos mit Hilfe von google translator dafür, uns nicht weiter unterhalten zu können und hielt uns mit dieser technischen Errungenschaft auch während der Fahrt auf dem Laufenden.

Sicher kutschierte er uns durch den Großstadtverkehr, der sich vor allem durch eine endlose Zahl von Einbahnstraßen und eine großzügige Auslegung der Bedeutung roter Ampeln auszeichnete. Von den heruntergekommenen Baracken der Außenbezirke geht es über die zugebaute Innenstadt bis ins prenzlauerbergartige Palermo, wo wir plötzlich vor einer überaus unauffälligen und leicht übersehbaren kleinen Holztür anhalten. Kein Name am Türschild, nur die Adresse auf dem Klingelschild und ein doppeltes Türschloss. Wo sind wir nur gelandet?

Doch kaum ist die Tür aufgeschlossen, breitet sich vor uns ein großzügiger, gemütlicher Raum aus, der wohl ehemals ein Lichthof zwischen den Gebäuden war. Nun wird er von einem Glasdach überspannt, darunter Minibalkone an einigen angrenzenden Zimmern in den oberen Stockwerken und ganz unten die quadratische Tanzfläche mit Spiegelwand, auf der die hiesigen Tanzstunden abgehalten werden. Hinter einer Glaswand die Gemeinschaftsküche, in der bereits die ersten Frühaufsteher ihr Frühstück zubereiten, flüstern natürlich denn es ist 9:30 und damit noch dreieinhalb Stunden Nachtruhe aus Rücksicht auf die Tänzer, die von 12 bis 6 auf den Milongas unterwegs waren.

Entrée
Entrée, die zweite
Der Tanzboden
Der Tanzboden 2
Innenfassade 1
Innenfassade 2

 

Die Küche

 

Juan Carlos führt uns zielsicher eine Wendeltreppe hinauf, die zu den Zimmern führt. Unseres ist fast ganz oben, klein, aber sauber, mit großen Doppelbett, großem Kleiderschrank, einem kleinen Tisch mit zwei Stühlen und einem der winzigen Balkone, von denen aus man wunderbar in den darunter liegenden Tanzsaal schauen kann. Das Bad ist eine Viertel Windung die Treppe hinab. Hinaufgehend erreicht man die bezaubernde Terrasse mit Grillecke zum Sitzen sowie zwei etwas höher gelegenen Liegestuhl-bestückten Sonnenanbeterecken, die verheißungsvoll im Schatten der Morgensonne auf die ersten Gäste warten.

Unsere kleine Sonnenterrasse

Wieder im Erdgeschoss angekommen, treffen wir Lutz und Anke, die bereits ein paar Tage vor uns angekommen sind und uns zu dieser Unterkunft gelotst haben. Sie laden uns kurzentschlossen ins Eckcafé auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein, mit Media Lunas (eine Art Croissant) und Tostados (Toast, der mit Creme fraiche und Aprikosenmarmelade bestrichen wird) und wunderbarem frisch gepresstem Orangensaft. Die warme Sonne des beginnenden Sommers entspannt die reisestrapazierten Glieder und in der Luft liegt die noch nicht ganz fassbare Gewissheit, dass nun, im November, endlich drei Wochen Sommer auf uns warten. Buenos Aires, hier sind wir!

Eine Antwort auf „Ankunft in Buenos Aires“

  1. schöner, emotionaler Bericht, ein bisschen wenig für die Augen.
    Nach etwa 2 Seiten wurde mir klar, dass ich zeitlich rückwärts lese. Aber sonst nimmt man beim lesen das übermittelte Gefühl gut auf!

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